Arbeitszeugnis für Führungskräfte

Arbeitszeugnis Führungskraft

5 Tipps, worauf es bei einem Arbeitszeugnis für eine Führungskraft ankommt

Das Arbeitszeugnis einer Führungskraft unterscheidet sich von anderen Arbeitszeugnissen. Erfahren Sie hier 5 Tipps, worauf es bei einem Arbeitszeugnis für eine Führungskraft wirklich ankommt 

 

Tipp 1: Legen Sie besonderen Augenmerk auf den Schlussabsatz des Arbeitszeugnisses

Da Personaler gar nicht die Zeit haben, das gesamte Arbeitszeugnis durchzulesen, wird häufig nur der letzte Absatz angeschaut. Dieser besteht aus der Beendigungsformel beim Endzeugnis bzw. dem Zeugnisvergabegrund beim Zwischenzeugnis, der Dankes-Bedauern-Formel und den Zukunftswünschen.

Nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts sei ein Arbeitgeber zwar nicht verpflichtet, das Zeugnis mit der Schlussformel zu versehen. Die Schlussformel ist jedoch keine überflüssige kosmetische Floskel. Sie gehört in jedes gute Zeugnis und ist in der Praxis üblich. Wenn die Schlussformel fehlt, erweckt dies zwangsläufig die Aufmerksamkeit des kundigen Personalers. Das Weglassen der Formel kann als Distanzierung und Brüskierung der beurteilten Führungskraft aufgefasst werden. Daher haben auch mehrere Arbeitsgerichte entschieden, dass die Schlussformel aufzunehmen ist, wenn die Zeugnisbewertung insgesamt besser als befriedigend ist.

Auch bei dem Schlussabsatz gibt es Abstufungen auf der Notenskala. Bei einer sehr erfolgreichen Führungskraft könnte dieser lauten:

Herr Mustermann verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern außerordentlich, eine so profilierte Fach- und Führungskraft zu verlieren. Herr Mustermann hat sich unserem Hause gegenüber bedeutende Verdienste erworben, wofür wir ihm zum großen Dank verpflichtet sind. Für seinen weiteren beruflichen und privaten Lebensweg wünschen wir ihm alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Achten Sie auch darauf, wer Ihr Arbeitszeugnis unterschreibt. Bei leitenden Angestellten und Führungskräften gebietet es die Wertschätzung, dass ein Mitglied der Geschäftsleitung (mit-)unterschreibt. Wenn Sie direkt an den Geschäftsführer berichtet haben, würde es als Herabwürdigung interpretiert werden, wenn das Arbeitszeugnis nicht von ihm unterzeichnet ist. In jedem Fall muss ein Ranghöherer Vorgesetzter unterschreiben, wenn Sie nicht direkt der Geschäftsführung unterstellt sind. Bei einem Prokuristen reicht es nicht aus, wenn das Zeugnis von einem anderen Prokuristen unterzeichnet wird.

Zeugnisse von GmbH-Geschäftsführern sind von den Gesellschaftern oder einem Vertreter der Gesellschafterversammlung oder wenn vorhanden, von dem Organmitglied der Muttergesellschaft zu unterzeichnen. Die Unterschrift eines Mit-Geschäftsführers ist unzulässig. Zeugnisse von Vorstandsmitgliedern werden in der Regel vom Aufsichtsratsvorsitzenden unterzeichnet.

 

Tipp 2: Beurteilung der Mitarbeiterführung

Im Arbeitszeugnis einer Führungskraft ist nicht nur seine fachliche Eigenleistung, sondern auch das Ergebnis seiner Mitarbeiterführung (Führungsleistung) zu beurteilen. Fehlt eine Aussage kann dies ein Hinweis auf Führungsschwäche sein. Häufig wird die Aussage im Zeugnis aber auch einfach schlicht vergessen.

Zunächst ist zu erwähnen, wie viele Mitarbeiter Sie geführt haben. Es macht schließlich einen Unterschied, ob Sie Personalverantwortung für 200 oder 5 Mitarbeiter haben. Die Anzahl der unterstellten Mitarbeiter kann auch in der Aufgabenbeschreibung eingegliedert werden.

In der Praxis wird meist ein kooperativer, kollegialer oder straffer Führungsstil genannt, wobei die Bezeichnungen nicht immer einheitlich sind. Ein demokratischer Führungsstil wird hingegen als Führungsschwäche ausgelegt. Auch ist ein autoritärer oder laisser-fairer Führungsstil wird von Unternehmen eher nicht erwünscht.

Neben der Führungsleistung muss auch der Führungserfolg im Zeugnis beurteilt werden. Beim Führungserfolg kommt es darauf an, welche Auswirkung Ihre Personalführung auf die Mitarbeiterleistung (Projektteam- oder Abteilungsergebnis) und auf die Mitarbeiter selbst (Zufriedenheit, Abteilungsklima) hat. Auch Ihre Akzeptanz spielt hier eine Rolle.

Mit der Formulierung „war beliebt“ werden Ihre Führungseigenschaften in Frage gestellt. Vorgesetzte sollen respektiert, anerkannt und geschätzt werden. Werden Sie im Zeugnis aber als „beliebt“ charakterisiert, heißt das im Klartext, dass Ihnen Durchsetzungsfähigkeit fehlte und Ihre Mitarbeiter mit Ihnen machen konnten, was sie wollten.

 

Tipp 3: Ihre Position und Aufgabenbeschreibung

Als Führungskraft ist es wichtig, dass Ihre hierarchische Einordnung klar zum Ausdruck kommt. Wenn Sie direkt dem Geschäftsführer unterstellt sind, sollte erwähnt werden:

In dieser Position berichtete er direkt gegenüber dem Geschäftsführer.

Wichtig sind auch Angaben zum Verantwortungsumfang und zu Vollmachten (z.B. Handlungsvollmacht oder Prokura).

Die Aufgabenbeschreibung ist eine der wichtigsten Komponente im Arbeitszeugnis. Je besser Sie mit Ihrem Zeugnis belegen können, dass Sie besondere Erfahrungen in den berufsspezifischen Bereichen sammeln konnten, desto interessanter werden Sie für Ihren neuen Arbeitgeber.

Die im Laufe Ihres Arbeitsverhältnisses ausgeübten Tätigkeiten sind so genau, vollständig und ausführlich zu beschreiben, dass sich künftige Arbeitgeber ein klares Bild machen können. Je umfassender und verantwortungsvoller die Tätigkeit, desto differenzierter und genauer muss die Tätigkeitsbeschreibung erfolgen. Vergleichsweise unwichtige Tätigkeiten sind wegzulassen.

Bei Einsatz in verschiedenen Abteilungen, der Erweiterung der Verantwortung oder einer längeren Karriere im Unternehmen sind die Tätigkeiten in chronologischer Reihenfolge des Werdegangs mit ihren Daten, Arbeitsinhalten und evt. Wechselgründen aufzuzeigen. Die Grundsätze der Einheitlichkeit und der Vollständigkeit schließen eine zeitliche und sachliche Einschränkung der Aufgabenbeschreibung oder unterschiedliche Zeugnisse nach Zeitabschnitten aus.

Innerhalb der Aufgabenbeschreibung sind die Haupt- und Kernaufgaben und dann die weniger wichtigen Aufgaben zu nennen (Reihenfolge-Technik). Für eine bessere und schnellere Lesbarkeit bietet es sich meist an, die Aufgaben tabellarisch aufzuführen. Zudem sollten aktive Verben wie „optimierte“, „verbesserte“, „realisierte“ benutzt werden, die von einer dynamischer Führungskraft zeugen.

 

Tipp 4: Stellen Sie Ihre besonderen Erfolge heraus

Neben der Beurteilung des allgemeinen Arbeitserfolges sind bei Fach- und Führungskräften die besonderen Erfolge und Leistungen herauszustellen. Konkrete Erfolgsbeispiele erhöhen Ihre Einstellchance und Ihre Glaubwürdigkeit erheblich.

Ein herausragender Erfolg kann die Gewinnung eines Großkunden sein, die Steigerung des Umsatzes oder Gewinns, die Kostensenkung um x%, die Optimierung von bestimmten Prozessen oder die erfolgreiche Realisierung von Projekten.

Überlegen Sie sich ein bis zwei Projekte oder Aufgaben, die Sie im geplanten Zeitrahmen besonders gut abschließen konnten.

 

Tipp 5: Überzeugen Sie durch Ihre Kernkompetenzen

Für eine Einstellung kommt es nicht nur darauf an, dass Sie einen Hochschulabschluss oder bestimmte fachliche Qualifikationen und Berufserfahrung haben, sondern vielmehr auch auf Ihre Kernkompetenzen, die auch „Soft-skills“ und Schlüsselqualifikationen genannt werden.

Neben den berufsspezifischen Fähigkeiten sind bei Führungskräften vor allem die management- und führungsbezogenen Kompetenzen wichtig. Diese sollten jedoch nicht beziehungslos genannt, sondern immer in Bezug zu Ihrer Aufgabe erwähnt werden.

Stellen Sie Ihre Organisations-, Planungs- und Projektmanagementfähigkeit, Ihre Problemlösungsfähigkeit, Auffassungsgabe, Belastbarkeit, Denk- und Urteilsfähigkeit, Ihr strategisches und unternehmerisches Handeln oder Ihre Kreativität heraus. Ebenso sind rhetorische Fähigkeiten, Kommunikationsstärke und Verhandlungsgeschick wichtig. Wenn Sie international tätig waren, sollte erwähnt werden, wie Sie sich im internationalen Umfeld bewegt haben. Dies kann zugleich mit einer Beurteilung Ihre Sprachkenntnissen verbunden werden.

Sie können sich dabei auch an den Stellenangeboten Ihrer angestrebten Führungsposition orientieren. Dort werden in der Regel die spezifischen Führungskompetenzen als Anforderungsprofil genannt. Diese sollten sich dann auch in Ihrem Arbeitszeugnis widerspiegeln, wenn Sie über diese Fähigkeiten verfügen.

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