Arbeitszeugnis anfordern

Arbeitszeugnis anfordern

Arbeitszeugnis anfordern

Wie Sie Ihr Arbeitszeugnis anfordern müssen und warum Ihnen hierfür nur wenig Zeit bleibt

Für die Geltendmachung des Zeugnisses ist nach dem Gesetz keine bestimmte Form vorgeschrieben. Sie können das Arbeitszeugnis daher auch mündlich anfordern. Aus Beweisgründen empfehle ich Ihnen, es aber immer schriftlich, zumindest per E-Mail, anzufordern.

 

Schriftform in Tarif- und Arbeitsverträgen

In Tarif- und Arbeitsverträgen ist hingegen häufig vereinbart, dass alle Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb bestimmter Fristen (meist innerhalb von 3 Monaten) gegenüber dem Arbeitgeber schriftlich geltend gemacht werden müssen.

Die Schriftform setzt eine eigenhändige Unterschrift aus (§ 126 BGB). Bei einer im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbarten Schriftform reicht es aus, wenn Sie das Schreiben mit eigenhändiger Unterschrift per Fax oder als eingescanntes Schreiben per E-Mail an Ihren Arbeitgeber übermitteln (§ 127 Abs. 2 BGB). Eine bloße E-Mail oder SMS (ohne Unterschrift) wahren hingegen die Schriftform nicht. Diese erfüllen nur die Textform (§ 126b BGB).

Für Arbeitsverträge, die nach dem 30.09.2016 geschlossen wurden, darf aufgrund der Neuregelung des § 309 Nr. 13 BGB in Arbeitsverträgen nunmehr keine strengere Form als die Textform vereinbart werden. Für diese Arbeitsverhältnisse reicht es aus, wenn Sie das Arbeitszeugnis per E-Mail oder sogar per SMS anfordern.

 

Wichtig: Handeln Sie schnell 

Fordern Sie Ihr Arbeitszeugnis gegenüber Ihrem Arbeitgeber so schnell wie möglich an. Denn nahezu jeder Tarif- und Arbeitsvertrag enthält heute eine Ausschlussfrist. Sie sind eine Besonderheit im Arbeitsrecht. Danach müssen alle Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb einer bestimmten Frist gegenüber dem Arbeitgeber geltend gemacht werden. In Arbeitsverträgen muss diese Frist mindestens 3 Monate betragen, sonst ist die Klausel unwirksam. In Tarifverträgen ist jedoch auch eine kürzer Frist, meistens nur 1 bis 2 Monate, wirksam. Die Ausschlussfrist für den Anspruch auf das Endzeugnis beginnt mit dem letzten Tag des Arbeitsverhältnisses. Versäumen Sie die Frist, ist Ihr Anspruch auf das Arbeitszeugnis endgültig verfallen und Sie können Ihr Zeugnis nicht mehr vor Gericht durchsetzen.

Darüber hinaus sehen die Klauseln über Ausschlussfristen zudem vor, dass Sie bei einer Ablehnung Ihres Arbeitgebers oder, wenn er auf Ihr Verlangen nicht reagiert, innerhalb einer weiteren Ausschlussfrist von drei Monaten (in Arbeitsverträgen) vor Gericht einklagen müssen. Holen Sie sich daher am besten rechtzeitig fachkundigen Rat eines Rechtsanwalts ein.

 

Keine Begründungspflicht

Wenn das Arbeitsverhältnis endet, müssen Sie nicht begründen, warum Sie ein Arbeitszeugnis anfordern. Auch der Verwendungszweck spielt keine Rolle. Sie können daher auch dann ein Zeugnis verlangen, wenn Sie in Rente gehen oder sich selbstständig machen. (Siehe, wann habe ich einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?).

Für das Zwischenzeugnis sollten Sie den Grund oder das berechtigte Interesse kurz angeben. Welche Gründe für ein Zwischenzeugnis in Betracht kommen, erfahren Sie unter Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.

Beispiel

Sehr geehrte Damen und Herren,
aufgrund des anstehenden Wechsels meines Vorgesetzten Herrn Ohnesorge / der Beendigung meines Arbeitsverhältnisses zum 31. August 2016 bitte ich um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Müller

 

Arbeitgeber muss das Arbeitszeugnis nicht zusenden

Bei dem Arbeitszeugnis handelt es sich um eine sogenannte Holschuld. Ihr Arbeitgeber ist regelmäßig nicht verpflichtet, Ihnen das Zeugnis zuzuschicken. Er muss das Zeugnis nur im Betrieb zur Abholung bereithalten (BAG, Urteil v. 21.9.199, 9 AZR 893/98).

Anderes gilt jedoch, wenn Sie gehindert sind, den Betrieb aufzusuchen, um das Zeugnis abzuholen, etwa bei Krankheit oder Urlaub oder, wenn es für Sie mit unverhältnismäßigen Kosten verbunden wäre, weil Sie beispielsweise umgezogen sind.

Wenn der Arbeitgeber das Arbeitszeugnisversendet, darf er es übrigens falten, um es in den Umschlag zu stecken. Allerdings nur dann, wenn sich die Knicke bei einer Kopie nicht abzeichnen (BAG, Urteil v. 21.09.1999, 9 AZR 893/98). Besser ist es, das Zeugnis ungefaltet im DIN A4-Umschlag zu versenden.

Tipp

Wenn Sie einen Aufhebungsvertrag mit Ihrem Arbeitgeber abschließen, empfehle ich Ihnen, gleich im Aufhebungsvertrag festzuhalten, dass Ihr Arbeitgeber das Arbeitszeugnis auf seine Kosten ungehalten übersenden muss.

Lesen Sie auch Aufhebungsvertrag und Arbeitszeugnis

 

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